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Von Christian Böhner / Fotos: Patrick Nix

Am zweiten August-Wochenende war es wieder soweit. Der AvD-Oldtimer-Grand Prix lud zur 43. Auflage und Motoraver war im Dreierpack vor Ort. Das Art Department, die Musik- und Opel-Fraktion und der Autor als Bleifuß des Hauses gaben sich die Ehre. Ja, die Ehre, denn dank der unerschrockenen Gentlemen-Driver in den verschiedenen Starterfeldern und ihren teils grausam lauten Kisten, hatte das ganze Event wirklich Gesicht und Würde. Einfach aus sich selbst heraus. Nicht, weil man sich im Stile der 60er aufgebrezelt und überall Strohballen als Deko verteilt hätte. Nein, am Nürburgring geht es netto und simple um schnellste Runden. Im Superlativ. Denn geschenkt wird hier gar nichts.

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Ob im freien Training, im Qualifying oder später in den Rennläufen. Hier werden wild röhrende Vorkriegsmonster genauso an ihr Limit gebracht wie die 40-50 Jahre alten Formel 1-Boliden im roten Bereich der Cosworth´schen Drehzahlorgien. Hier dürfen Clubs mit Mann und Maus auffahren und edle Hersteller mit prominenten Gästen bei Champagner ihrer Historie fröhnen. Ob Porsche, BMW, Jaguar, Alfa Romeo oder dieses Jahr besonders Opel und Skoda – die Marken nutzen das Bad in einer Zielgruppe ohne Streuverlust. Im Durchlauf waren es 52.000 Motorsport- und Altblech-Nerds, die das für jedermann zugängliche Fahrerlager und die besten Tribünenplätze füllten.
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Unser Trio infernale strömerte ebenfalls mittendrin herum, nutzte verschiedene Ausblickpunkte für schicke Panoramafotos und ließ sich vom scharfen Wind auf der Mercedes-Tribüne nicht am Genuss der Driftkünste britischer Sportwagen-Klassiker hindern. Ein echtes Highlight waren die Auftritte der alten DRM (Deutsche Rennsport-Meisterschaft)-Fahrzeuge.

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Brachial kreischende BMW M1, gefolgt von Flammen schmeißenden 930er Gruppe 4- und anderen 911er RS Porsches, den schnellen 3,5 CSL-R-Coupés, einem Ford Escort 1600 RS und jederzeit düpiert vom Altmeister Peter Mücke im grausam flachen, förmlich explodierenden Zakspeed-Turbo-Capri – wer da nicht feuchte Augen bekam… Doch unschlagbar in ihrer Performance waren und bleiben die die alten, wenn auch zumeist nur britischen Formel 1 Brenner aus der offiziellen FIA Masters Historic Formula One Championship. Surtees, March, Hesketh, Arrows, McLaren und Lotus, um nur einige zu nennen. Der starke 1982er Alfa Romeo-12-Ender aus Motorcity Hamburg hätte die Tommies bestimmt gut durcheinander gewirbelt, ist aber leider nicht angetreten trotz eines großen Vorberichtes in der Veranstaltungs-Broschüre.
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Egal, als es dann soweit war, stürmten die Massen auf die Plätze und wurden von der wütenden Hornissenbande in Geiselhaft genommen. Dem kollektiven Ford V8-Donnerwetter konnte sich einfach keiner mehr entziehen. Anders als heute in der F1 mit den sprötzelnden V6-Turbos erlebten wir hier echte Superlative in Sachen Sound, Speed und Spektakel. Als sich das große Feld mit zusammen knapp 50 breiten Hinterachs-Schlappen konzentriert in die enge Rechtskurve nach Start-Ziel quetschte, meinte man schon den Crash zu hören. Aber denkste. Nur 1:40 Minuten später flog die Armada mit 280 km/h leicht aufgefächert wieder vorbei und ein zauberte ein ungläubiges Lächeln in viele Gesichter des Publikums. Es war eine besondere Zeitreise in die Eifel, erneut. Ein lauter Traum für Motor Maniacs, dessen symphonischer Donner noch lange nachhallt.
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