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Die gute Nachricht zuerst: auf der diesjährigen Bremen Classic Motorshow waren so gut wie keine Amischiitten zu sehen.

 
Die schlechte Nachricht: die dadurch frei gewordenen Stellplätze wurden durch r-Strategen vom Stamme der 911er-Insekten und württembergischen Stern-Schaben belegt.

 
Nicht ein einziger Charger, dem Proleten-Manta des neuen Jahrtausends, kein Road Runner, keine Chevelles, lediglich zuviele ehemals wilde Mustangs waren vor Ort. Die neuerdings stark rendite-orientierte Bremer Oldtimermesse siebt radikal aus. Was sich nicht über Nacht für zehn Blatt Aufschlag weiter schieben lässt, taugt nicht fürs Oldtimer-Hobby. Diese schmerzhafte, unsentimentale ökonomische Erkenntnis, die wie eine Luftabwehrrakete jeden Anflug von Nostalgie bereits beim Ausfahren des Landefahrwerks zerfetzt, ist auch bei deutsch-kalifornischen Hobby-Importeuren angekommen. Zuviele Wannabe-Muscle-Cars und verschrobene Low-Compression-Full-Size-Coupes der Seventies vergammeln unbewegt seit einigen Jahren in viel zu engen deutschen Freizeit-Händler-Garagen. Für 1.500 Bucks in Palmdale/California geschossen, wurden sie von Rotterdamer Schlepperbanden durch den Panama-Kanal geschleust, in der Hoffnung, sie dem unbedarften germanischen Oldtimer-Gutmenschen für die zehnfache Summe, allerdings in Euro, anzudrehen. Man bildete sich für viele Jahre ein, ein flugrostiger 78er Chevy Malibu aus dementer Rentnerhand verwandle sich nach einer Atlantiküberquerung zu Garagengold, solange man nur „Steve McQueen“, „Massel Car“ oder „Mopar“ im mobile.de-Text erwähne.

 
Bis auf eine handvoll unbeirrbarer Recken, die in der Hansestadt weiter am amerikanischen Traum in Reinkultur festhielten und Detroiter Underdogs vom Schlage eines 61er Mercury Comet Station mit Reihensechszylinder oder einem 73er Mercury Montego mit 351er Cleveland zu selbstbewussten Mercedes-Coupé-Preisen anpriesen und sie wahrscheinlich auch noch in fünf Jahren feilbieten werden, breitete sich in weitesten Teilen der Messehallen schimmelpilzartig so sehr eine monokulturelle Melange aus schwäbisch-automobiler Monokultur aus, dass es bisweilen gesundheitlich bedenklich wurde.

 
Schade, schade, Hutablage. Die Bremen Classic Motorshow, einst als ehrliche Freakshow für unrasierte DKW-Schrauber, schmuddelige Treckerfahrer und schlecht frisierte Amiprolls gestartet, lebt mittlerweile ihren Bruderkomplex offen aus und möchte so sein wie die Techno Classica, Europas größter Indoor-Veranstaltung für curryfarbene Cordhosen, Wickelschals und Wachs-Wichs-Jacken. Die Benztrifizierung schreitet ratenfinanziert unaufhaltsam weiter, seltene Arten sterben mitten unter uns aus, während die von den Medien manipulierte Mehrheit sich ausschließlich um den Amazonas-Regenwald sorgt, obwohl der total weit weg ist.

 
All den Freaks, Prolls und Dorfpunks da draußen, die in Nischen überwintern und sich gerne dreckig machen, seien als Alternativ-Veranstaltungen Karl am Kanal, der Bockhorner Oldtimermarkt und die Rostocker Winterkirmes ans ölverschmierte Herz gelegt.

 

 

Aus der viel zu engen Curry-Hose grüßt,
Norman von Gocke

 

 
Drei Tage lang ernährte sich unser Team nur von Blättern, Beeren und Eigenurin, wurde eins mit der Natur und dem abriebfesten Messeteppich. Mit total speziellen Scheiß-Kameras aus dem Hause Samsung gelangen uns aus unserem Versteck heraus folgende, sensationelle Fotografien mehrheitlich sehr seltener Messe-Exponate. Film ab!

 

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