IMG_4185

 

Punk n‘ Roll Konzi im soziokulturellen Zentrum. Deine veganen Kumpels sind mit der Bahn da, du mit deinem 71er Chrysler Newport. Ärmel vom Siebdruck-Hoodie hochgekrempelt, damit die Puppen mit dem gepiercten Septum deine krass zugeinkten Arme sehen, lehnst du den ganzen Abend an deiner Karre und gehst nur rein, um in der Scheißkabine zu Pinkeln. Die Eintrittskarte hättest du dir auch sparen können. 440 Big Block, 5,70 Meter Flankenlänge über alles, 2 Tonnen Stahl plus deine 68 Kilo. Dein Körper produziert plötzlich 24 Liter Testosteron auf 100 Kilometer.

 
Was für ein straßenzugelassener Irrtum. Powersteering, Power Brakes auf Scheibe vorne, Chrysler Airtemp regelt das Mikroklima auf 10 Quadratmeter, vierfach eFh rundum. Ein Blick aufs knitterige Build Sheet und es müsste selbst dir dämmern, aber der windige US Car Vermittler hat dicht gehalten und du willst die Realität einfach nicht wahr haben. Digger, du fährst ein Frauenauto. Die ersten 40 Jahre vor deinem Blindkauf im Web gondelte eine gewisse Mrs. Bell bis zu ihrem natürlichen Tod mit dem braun-metallic-farbenen Eisenschwein durch Riverside/CA. Immer zum Albertson’s und zurück. Manchmal sogar zweimal, wenn sie Knudsen Kakao oder Hershey’s Schweineblut-Schokolade vergessen hatte.

 
Die Kiste lässt sich mit dem kleinen Finger einparken, brakes on a dime und ist gutmütig im Umgang wie ein psychisch gebrochener Orkawal nach 20 Jahren Seaworld. Sorry Pal, aber da kannst du noch so lange auf dem soziokulturellen Parkplatz im Nieselregen abstylen, einen Mann wird die gammelige Fullsize-Schleuder in diesem Leben nicht mehr aus dir machen. Auch nicht via Instagram.
Echte Männer denken, dass Social Media sowas ähnliches wie Hartz4-TV ist, haben von Hohlraumkonservierung keine Ahnung, weil das ölgefüllte Getriebe am Trecker eh das tragende Teil ist und hacken sich ihr Brennholz bereits im Sommer selber und zwar immer doppelt soviel, wie man braucht. Könnte ja Krieg geben.
Echte Männer stylen in schief abgelaufenen Gummistiefeln und Flanelljacken von Lidl ab, schwärmen von offenen Führerständen bei Minusgraden, freiliegenden Zapfwellen und zweistufigem Gruppengetriebe mit Vorgelege und zentrifugalgekühlter Kupplung. Torqueflite 727 halten sie für eine Staubsaugerbezeichnung. Englischkenntnisse braucht man nicht, wenn man den Jahresurlaub zum Hausausbau oder Fundamentgießen nimmt.
Fulda 18.4 R34 auf Stahl statt Polyglass auf Torq Thrust in 15 Zoll, du Spinner. Kriechgang statt Kickdown, keine Lumberjack-Styler, die sich im Nieselregen ne Lungenentzündung holen.

 
Der echte Dorfpunk findet auf einem Parkplatz in Siegburg, einer unbedeutenden Kreisstadt im Rhein-Sieg-Kreis, statt. Die Menschen hier sind anders und halten Treckertreffen im Winter für das Normalste auf der Welt. Ähnlich wie bei den Latte-Spastis in der neuen HafenCity stehen auch hier Porsches hoch im Kurs, unterscheiden sich aber in Form, Farbe und vMax eklatant vom neuen Elfer. Hanomag geht immer und der Lanz-Einzylinder ist der Hemi-Charger unter den Arbeitsgeräten. Man geht die Dinge langsam an und glüht ewig vor, bevor es auf die Piste geht. Frauen sind Beiwerk und nicht Sinn und Zweck der individuellen Mobilität. Hier geht’s um Technik, um Schlüsselweiten jenseits der 40 und Anzugsdrehmomente, bei denen jeder Mopar ein Fall für die Richtbank wäre.

 
In punkto Realness, hirnerschütternder Oberflächenhaptik und Acker-Credibility führt auf Dauer kein Feldweg am klassischen Traktor vorbei. Freuen wir uns doch bereits jetzt auf das Jahr 1 nach dem großen Mustang-Charger-Big-Block-Hype, wenn Eicher und Konsorten gentrifizierte Wohnquartiere in Stadtrandlage zuparken und der Berufsverkehr aus den Schlafstadtteilen morgens dank Kriechgang Einfallstraßen komplett kollabieren lässt. Ein Zeitalter kommt auf uns zu, in dem reisefreudige Flüchtlinge und Blechschlampen, die mal wieder richtig bearbeitet werden wollen, in der Schlepper Post inserieren. Es wird wieder cool sein nach Schweiß zu riechen, Fußpflege wird ein No-Go sein und bei DM bekommt man in der Männerpflegeabteilung gebrauchtes Molykote für unter die Fingernägel. Die Renaissance des eingewachsenen Fußnagels!
Wer schon jetzt von Landflucht, steigenden Grundstückspreisen am Arsch der Welt und laktosehaltiger Bio-Milch vom Selbstversorger nicht genug kriegen kann, dem empfehlen wir die ländlich angelegte Dorfpunk-Ausgabe #34. Es lohnt sich.

 
Wir sehen uns bei der Ernte, Norman

 

IMG_4182 IMG_4180 IMG_4176 IMG_4175 IMG_4160 IMG_4115

Wir haben es immer gewusst.

 

 

IMG_4117

Intuitive Bedienung für Einheimische.

 

IMG_4130 IMG_4145 IMG_4151

Wall-E räumt den Eicher auf.

 

IMG_4112

Konkret abstylen. Mit dem Bio-Trike zum Salon Super-Gau.

 

IMG_4091

Kinder müssen lernen Verantwortung zu übernehmen. Vorschulkids mit offener Riemenscheibe.