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Reicht es denn nicht, einen völlig überbezahlten aber untermotorisierten Serien-Ami chrompoliert über die verstopften Straßen zu schaukeln, um die in der Kindheit vermisste Aufmerksamkeit zurück zu erobern? Manchem Großautobesitzer offensichtlich nicht. Die Fuhre strahlt dank einer knalligen Verkaufslackierung zwar schon totale Performance aus, aber da geht doch noch mehr. ADHS und mehr PS. Also wird der Schlitten eben zeitgenössisch frisiert. Edelbrock, Holley, MSD, Hooker Headers und Crane Cams. Noch Fragen? Ja. Niemand sieht der Karre an, was drunter und drin steckt. Kein Problem, denn zu jedem leistungssteigernden Zubehör gibts vom Hersteller ein paar Sticker dazu. Stilsicher beide Kotflügel damit gepflastert, schon weiß jeder Gegner auf dem Asphalt, worauf er sich lieber nicht einlassen sollte.

Aber was tun, wenn weder Sponsoring- noch Bauspar-Vertrag zur Verfügung stehen, um die Karre auf die Überholspur zu bringen? Danke Internet, der Suchbegriff „Sticker“ liefert allein im Lieblingsauktionshaus aller Schnäppchenjäger 499.500 Ergebnisse. Wozu also teure Eingriffe in die Automobiltechnik, wenn’s die bunten Statements zum schneller aussehen für ein paar Cent gibt? Mit geringstem finanziellen Aufwand, aber größter Wirkung, lässt sich auf dem gespachtelten Blech die gesamte Elite der amerikanischen Tuning Zunft verewigen. Einige Jungs setzen der optischen Aufschneiderei noch eins oben drauf und ziehen zusätzlich zwei breite Rallyestreifen über die gesamte Karosserie. Oder folieren ihren Möchtegern-Racer direkt in Petty-blue inklusive legendärer 43 auf der Tür. Leider haben diese Typen aus Mangel an Eiern und Motorleistung noch nie einen Race Track selbst befahren. Macht aber auch nichts, dafür kann man sie mit etwas Glück im ordinären Straßenverkehr zwischen silbernen Klonarmeen von Leasingfahrzeugen entdecken. Ihre Kirmes-Buden beleben nicht nur das Straßenbild, auch auf den immer größer werdenden US-Car-Meetings erfreuen sie das Auge jedes Benzinmenschen. Zwischen unzähligen Mustang Cabrios in Candy Apple Red fällt so ein bunt beklebtes Muscle Car auf wie Lady Gaga beim Ärzte-Kongress. Und wer es wirklich genau wissen will, kann solche Blender ganz einfach enttarnen. Machste mal die Haube auf?

Um sich als Besitzer solche Blamagen zu ersparen, empfehle ich echtes Tuning ohne verräterische Beklebung. Besser den amerikanischten aller Auto-Aufkleber: den Bumper Sticker. Ob „Support our Troops“, „No fuck no ride“ oder meinen Lieblings-Sticker auf meinem Daily Driver: „Plastic Cars for Plastic People (gibt’s hier im Motoraver Benzin Kiosk)“. So ein ehrliches Statement am Heck erspart dumme Fragen zu Motorleistung und Beschleunigungszeiten. Und wer gar kein Risiko eingehen will, an der Ampel zum Duell herausgefordert zu werden, für den empfiehlt sich der offizielle Aufkleber aller amerikanischen Fahrschüler: „Student Driver“. So kann man endlich untermotorisiert aber entspannt cruisen. ADHS kann man ja auch medikamentös therapieren. Gute Fahrt.

Aus: Helges V8-Satire Street Magazine 01/2013

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