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Der löchrige Asphalt vor der Haustür des elterlichen Reihenendhauses führte nicht nur zur Berufsschule, er war auch der direkte Weg in die große weite Welt. Man musste nur aufbrechen!

Ob mit der Zündapp aus Opas Scheune oder dem Opel Kadett vom Schrotthändler, wer abhauen wollte aus der engen Provinz, zog das mit einem eigenen Fluchtfahrzeug durch. Als Belohnung gab es dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Gar nicht so einfach im analogen Zeitalter: Kein Smartphone, was einem mit persönlicher Reise-App das Endziel vorgab. Kein Navi, was mit Staumelder und minutengenauer Zeitberechnung den ödesten Weg bestimmte. Keine Online-Community mit neunmalklugen Schraubertipps und kein Auktionshaus für gebrauchte Ersatzteile. Learning by doing und schön improvisieren, das war der Weg zum eigenen motorisierten Traum. Nicht mal der Graukittel vom Technischen Spielverderberverein konnte einem die Kreativität ausbremsen. Mit ölverschmierten Händen selbst zusammen gebaut, nicht kaputtgeschraubt von stylischen aber handwerklich inkompetenten Fachwerkstätten. Nicht nach dem Style-Guide eines austauschbaren Online-Magazins gepimpt, sondern nach dem persönlichen Geschmack. Hauptsache abhauen!

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Auf dem Land herrscht das ewige Wegwollen, der Wunsch rauszukommen aus der Provinz in die Städte, wo das Leben bedeutungsvoller ist, wichtiger, inspirierter und wo man Leute trifft, die dieselbe Sprache sprechen wie man selbst. Nach einigen Jahren dämmert manch einem, dass die Provinz auch in der großen Stadt lauert, dass man sie mitgebracht hat und dass das Davonlaufen nicht genügt, wenn man die Provinz im eigenen Herzen überwinden will. Darum kehrt Motoraver Magazin in dieser Ausgabe zurück aufs Dorf. Und es gibt sie tatsächlich noch, die Verrückten und Kreativen der individuellen Fortbewegung. Viel Vergnügen beim Mitreisen!

Die neue Ausgabe direkt hier im Benzinkiosk!