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Neulich an der Ampel: Ein Mercedes Vaneo in der trendigen Leasingfarbe „novaviolett“ trägt nicht nur stolz den Aufkleber mit dem Doppelnamen seines minderjährigen Mitfahrers am Heck, er informiert mich auch gleich über die sexuelle Ausrichtung seines Besitzers. Unter dem Markennamen „Vaneo“ wurden nämlich vor einiger Zeit Kosmetikartikel für schwule Männer vertrieben. Der stolze Familienvater hat doppelt ins Klo gegriffen, mit Kevin-Pascal wie mit dem nicht funktionierenden nova-violetten Vaneo Klopapier, denn no-va bedeutet auf spanisch „geht nicht“. Die nächste Arschkarte zieht der links abbiegende Werber in seinem livestyligen Mitsubishi Pajero. Ohne zu blinken. Schon ok, „Pajero“ heisst auf spanisch eben „Wichser“. Wenigstens ist die Karre konsequent weiß.

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Nicht nur automobiltechnisch der Griff ins Klo. Vaneo, die Tunte. Geht gar nicht.

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Wichser, aber mit Drivestyle. Pajero.

Gleich dahinter die fernöstliche Damenbinde Nissan Serena mit Lichthupe, die Alte hat wohl ihre Tage. Die Japaner haben es aufgrund ihrer Sprache im Auto-Export eben nicht einfach. Die Lösung fanden sie irgendwann beim Abschreiben im Musikunterricht. Gut so, denn wenn die Motoren von Honda Accord, Hyundai Sonata und Honda Jazz schon scheiße klingen, dann wenigstens nicht die Bedeutung ihrer Namen. Auch Krankheiten sorgen nicht unbedingt für steigende Verkaufszahlen. Der Ford Kuga bedeutet in Kroatien „Pest“. Nach dem Kauf direkt in Quarantäne, schon klar. Dass Autonamen auch schön und erhaben klingen können, bewiesen Borgward Isabella, Chevy Bel Air oder die französische Göttin, Citroen Déesse.

Früher war also alles besser? Ja, war es. Ein Opel Kadett ist eben in der Rangfolge bei der Marine ein tapferer Kleinwagen, der Kapitän ein stolzer Schiffsführer und der Admiral die Speerspitze der blechernen Karriereleiter. Klare Hierarchie, keine Fehlinterpretation möglich. Exotische Wüstenwinde wie Passat oder Scirocco sind ebenfalls eindeutig, auch wenn ein richtiger Sturm am Fahrzeugheck untermotorisierter Wolfsburger oft zur lauen Brise verkümmert. Dass der Grossstadt-Dschungel heute mehr Fauna als mancher Zoo bietet, verdanken wir Autos wie Jaguar, Polo Fox und Ford Puma. Oder noch besser: Plymouth Barracuda, Dodge Viper und Ford Mustang. Ob niedlich oder gefährlich, Tiere gehen immer.

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Echte Hierarchie. Der Kadett am Anfang der Karriereleiter

Ob ich der Einzige bin, der sich beim Anblick von plastikverchromten Schriftzügen mit schlechten Namen an kaputt-designten Lifestyle-Kombis und urbanen Crossover-SUVs kaputt lacht, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob der Trend zu belanglosen Buchstaben- und Zahlenkombinationen die Kauflust ankurbelt. 206 CC? A4 B6? X5 E70? CLS AMG? LMAA! Ich weiß nur, dass mein Ford Granada ganz unmissverständlich nach Urlaub klingt. Und zwar in Südspanien. Ohne Kinder mit Doppelnamen und ohne mitleidiges Gelächter von Einheimischen.