IMG_1116 (Small)

 

Manch einer setzt sich nach Feierabend in seinen B-Body mit 426er Hemi, der andere einen Schuss Hero nach Büroschluss. Oder man verfällt Star Wars. Jeder hat so seine Methode gefunden, dem Rattenkäfig namens Alltag zu entfliehen. Da der Großteil der Menschheit beschissene Fahrwerke und Nadeln nicht so gut leiden kann, war es am letzten Wochenende in der Messe Essen voller als auf den Mopar Nats und auf der Bahnhofsplatte zusammen.

 

Der liebe Onkel George Lucas mit seiner undurchschaubaren, seichten Freundlichkeit war mir immer schon so geheuer wie die Grinsekatze. Trotzdem gut, dass er Filmemacher und nicht wie ursprünglich geplant Rennfahrer wurde. Die ersten drei Star Wars Teile sind bis heute die geilste Umsetzung der alten Gut-gegen-Böse-Leier. Ausgefeilte Charaktere, die auf immer Teil der Pop-Kultur sein werden (Space-Hitler Vader, imperiale Sturmtruppler, die Schrott-Jawas, Vergessen-du-musst-was-früher-du-gelernt-Yoda), Raumfahrzeuge, die man sich selbst in die vergrößerte Garage stellen würde (AT-ATs, den Millenium Falcon – the fastest Hunk of Chunk in the Galaxy, oder den Todesstern) und eine Bildästhetik, die bis heute unerreicht ist. So könnte man bei Episode IV bis VI im Prinzip jederzeit die Pause-Taste drücken und sich den Screen-Shot übers Sofa hängen.

 

In der Messe Essen kam während der Star Wars Celebration davon wenig bis gar nichts an. Wer für die Tageskarte am Samstag 66 Euro gelegt hatte, bekam drei nackte Messehallen präsentiert, in denen vereinzelt und verloren ein AT-AT, ein imperialer Abfangjäger und Jabba aus Pappmaché ausgestellt waren. Die Hälfte der Convention bestand aus Merchandising-Ständen mit überteuertem, nutzlosem Plunder für daheim, die sich an kaufkräftige Besucher richteten, welche sich ein Leben ohne Sturmtruppler- Badewannenvorleger nicht mehr vorstellen konnt. Und wer doch auf Nadeln konnte, ließ sich mitten im Messetrubel von Lucasfilm-lizensierten (!) Tätowierern den Rebellen-Körper verzieren…

 

Höhepunkt des Messe-Besuchs für jeden hirngewaschenen Anhänger des Lucas-Imperiums war eine Autogramm- und Foto-Audienz mit Mark Hamill, dem Luke Skywalker aus der Ur-Trilogie. Hamill wartete in einer weißen, blickdichten Box auf seine Jünger, die sich dort nach drei Stunden Wartezeit und 195 Euro Ablass mit ihm fotografieren lassen konnten und ein Autogramm bekamen. Die drogenverlebte Carrie Fisher, besser bekannt als Prinzessin Leia, war ebenfalls da und kostete nur unmerklich weniger. Wer es nicht so dicke hatte, kaufte sich für um die 20 Euro ein Autogramm von Toby Philpott. Den kennt zwar keiner, aber dafür steuerte er den linken Arm der Jabba-Puppe bei den Dreharbeiten…

 

Original-Requisiten aus den Filmen waren Mangelware, psychologisch interessant war, dass sich die meisten verkleideten Besucher für ein uniformes Stormtrooper-Kostüm entschieden und am sehenswertesten war der Stand des R2-D2 Builders Clubs.

 

Unfassbar, dass für so wenig 20.000 Menschen aus aller Welt nach Essen gereist waren, ein Schweinegeld an den Lizenz-Imperator Lucasfilm abdrückten und trotzdem mit glasigen Augen glücklich übers Parkett schwebten. Offenbar hat die dunkle Seite der Macht gesiegt.

 

IMG_1155 (Small) IMG_1153 (Small)

Jabba the Hutt.

 

IMG_1145 (Small) IMG_1141 (Small) IMG_1119 (Small) IMG_1123 (Small)

Jawaischer Droiden-Flohmarkt.

 

IMG_1128 (Small) IMG_1135 (Small) IMG_1137 (Small) IMG_1118 (Small) IMG_1117 (Small) IMG_1112 (Small) IMG_1075 (Small) IMG_1068 (Small) IMG_1086 (Small)

Kenny Baker (R2-D2)

 

IMG_1089 (Small)

Hinter der weißen Wand am Horizont sitzt Luke Skywalker, der letzte aufrechte Autogramm-Jedi.

 

IMG_1132 - Kopie (Small)

 

 

 

 

„Du darfst niemals vergessen: Deine Wahrnehmung bestimmt deine Realität!“ (Yoda)