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Ventilabriss, Kolbenklemmer, Vergaserdurchschuss. Wer im Sommer mit seiner abgehalfterten Schrottkarre auf große Tour geht, sollte was zu lesen dabei haben. Gestrandet wird sowieso, und wer bitte schön schraubt im Touchscreen-Zeitalter noch selbst, es gibt doch wer-weiss-was.de und die schlecht gelaunten Kulttypen vom ADAC. Warten statt Wartung.

 

Die edel AG hat uns mal wieder zwei Literatur-Tipps zur Pannenüberbrückung für all jene zugeschickt, die noch gutes Papier zu würdigen wissen und nicht zwanghaft auf jeder glänzenden Oberfläche rumwischen, die sie in die Finger kriegen.

 

 

 

Ennio Morricone

 

Die späten Sechziger markierten den Höhepunkt der menschlichen Zivilisation. Automobil wie cineastisch – Fight Club und Fear and Loathing in Las Vegas mal ausgenommen. 1968 kam Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ in die Kinos und legte die Messlatte für Westernfilme bis heute unerreicht hoch. Unendlich lange, zähe Schnittfolgen, für deren Umsetzung heute kein Epilepsie-Regisseur mehr die Eier hätte, Charakterdarsteller mit fettender Mischhaut und Ennio Morricones Filmmusik, die unaufdringlich und so von hinten rum die Intensität des ohnehin genialen Machwerks verdoppelte. Wer so Musik macht, muss ein geiler Fucker sein. edels „ear book“ mit vier beiliegenden CDs bekommt das leider nicht so richtig transportiert. Die Dreisprachigkeit (englisch, italienisch, deutsch) ist ein bisschen anstrengend und wohl der Wirtschaftlichkeit geschuldet, außerdem ist auf keiner der vier CDs „Das Lied vom Tod“. Dafür ist die Grafik ganz gut geworden und der Umschlag wirkt sehr wertig.

 

39.95€ kostet der 132-Seiter mit den vier CDs. C-Kadett-Fahrer müssen also abwägen, ob sie lieber volltanken oder sich einen les- und hörbaren Überblick über das Lebenswerk eines der berühmtesten Filmkomponisten besorgen.

 

 

 

Die James Bond Girls

 

Schon seit geraumer Zeit auf dem Markt und total geil ist „Die James Bond Girls“. James-Bond-Darsteller sind wie das jeweils aktuelle Modell der Mercedes-Mittelklasse. Am Anfang motzen alle über den Neuen um ihn später zum zeitlosen Klassiker zu ernennen. Den W123 fanden Anfangs alle Sternentreter genauso rundgelutscht wie Pierce Brosnan, beim W124 gab es sogar Sternfahrten der Taxikutscher nach Sindelfingen, weil der erste Mittelklasse-Benz mit Plastikstoßstange Qualitätsprobleme hatte, die mit dem Markencharakter der Daimler-Benz AG unvereinbar gewesen sein sollen. Bei Daniel Craigs Bond-Debüt haben auch alle gejammert, weil der Typ wie ein litauischer Kirmesboxer aussah. Außer Timothy Dalton, der wird auf immer und ewig die A-Klasse unter den Bond-Darstellern bleiben.

 

„Die James Bond Girls“ ist eine klar gegliederte Enzyklopädie aller halbnackten Bitches, die , unterteilt in die Kategorien „Die Gespielinnen“, „Die Gegnerinnen“, „Die Spioninnen“, „Die Opfer“ und „Die Alter Egos“, eine 007-Nummer schoben – oder vorher sterben mussten.

 

Klar gegliedert inklusive Abdruck der jeweiligen Filmplakate. Kaufen, den Wälzer, damit auch Ihr mal den Durchblick in Sachen Frauen habt.