Einsteigen, gegenlenken

„Wer mit Naturgesetzen spielt, ist weder Könner noch Supermann. Er ist entweder unwissend, lebensüberdrüssig oder krank“. Diese belehrende Aussage stammt aus einem Mercedes-Benz-Film zum Thema Fahrphysik aus dem Jahre 1973.

Ja, ja, ja! Hätten alle immer auf diejenigen gehört, die mit erhobenem Zeigefinger am Straßenrand standen, als wir automobile Grenzerfahrungen gesammelt haben, wären wir nie so weit gekommen. Kein Mensch hätte gemerkt, dass ein Benzin-Luft-Gemisch mehr Vortrieb bringt als ein Pferd, dass Tieferlegen Sinn macht, dass man auch im Drift um die Kurve kommt und dass eine plötzlich gezogene Handbremse zu mehr als zum Bremsen taugt.

Offensichtlich ist der Autoindustrie diese individuelle Selbsterfahrung ein Dorn im Reifen. Unter dem Vorwand der Unfall-Prävention werden dem ambitionierten Sportfahrer immer mehr Möglichkeiten genommen, die Karre ans Limit zu bringen. Mitlenkende Hinterachsen, Bremsassistenten und Einparkhilfen, akustische Warnhinweise und Anti-Schlupf-Systeme. Jede technische Baugruppe ist verseucht von elektronischen Spaßverderbern. Aber für jeden Trend gibt es glücklicherweise einen Gegentrend. Ob ehemalige Militärflugplätze, historische Rennstrecken oder kurvenreiche Fahrsicherheitszentren: Abseits des geregelten Straßenverkehrs kann dort noch richtig Gas gegeben werden, wenn sich denn in der 150-seitigen Bedienungsanleitung die entscheidenden Hinweise finden lassen, wie man den unerwünschten Helferlein das Handwerk legt.

Ob es dann darum geht, herauszufinden, wo die Ideallinie liegt, wann die Fliehkraft die Bodenhaftung aufhebt oder bei welcher Drehzahl der Motor aufgibt,: Es wird Zeit, das Sportlenkrad ernsthaft in die Hand zu nehmen und den grauen Alltag der reinen Fortbewegung durch selbst erlebte automobile Grenzen zu bereichern. Für solche Ur-Bedürfnisse des benzinabhängigen Fahrzeuglenkers verlosen wir übrigens jetzt ein Grid Day auf einem Testgelände des ADAC mit 5 exklusiven Starterplätzen.

Und wenn ihr nach den Grenzerfahrungen auf abgesperrtem Terrain das Gelernte in freier Wildbahn anwendet, lasst Euch nicht von selbsternannten Verkehrserziehern den Spaß verderben. Die würden in Wahrheit auch gern wie Colt Seavers oder Jim Rockford um die Kurven brettern.