Schloß Dyck // Classic Days 2012

Sehr sehr (eigentlich sogar sehr sehr sehr) lange hat Ford Deutschland sich nicht sonderlich um die eigene Historie gekümmert und so musste der geneigte Ford Pilot sich dem Schicksal ergeben und selbst zusehen, wie er selbst zur Geschichte beiträgt. Zum Glück hat sich das vor ein paar Jahren geändert und Ford Classic in Köln arbeitet langsam, aber beständig daran, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Dabei haben die Kölner jede Menge großartiger Fahrzeuge vorzuweisen und jedes Jahr ein neues Jubiläum zu feiern.

In diesem Jahr wird der Ford Sierra 30 Jahre alt und die ersten Modelle dürfen nach deutschem Recht als Oldtimer bezeichnet werden. Der Nachfolger des Taunus kam damals extrem futuristisch daher. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger und den parallel produzierten Modellen Granada, Escort oder Fiesta wirkte der von Uwe Bahnsen entworfene Wagen wie eine Mondrakete neben Postkutschen.

Im März 1983 stellten die Kölner dann den Sierra XR4i vor, der kompakte Sportler war ausschließlich als Dreitürer erhältlich und durch seinen auffälligen Heckspoiler schon von weitem erkennbar. Die 2,8 Liter Hubraum des klassischen Sechszylinder V-Motors produzierten 150 PS, ausreichend um letzten Kölner Hecktriebler auf 211 km/h zu beschleunigen. Heute schafft das jeder Kompakte, vor knapp 30 Jahren war das noch eine echte Kampfansage. Fast 30.000 mal lief der XR4i in der ersten Serie vom Band und doch haben es nicht viele bis in die Gegenwart geschafft. Schließlich macht Opelgold auch vor einem Ford nicht Halt.

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Damit ich mir selbst ein Bild davon machen konnte, lud Ford mich zu den Classic Days auf Schloss Dyck ein. Auf dem Parkplatz am Flughafen wartete bereits ein Sierra, seinen Spoiler versteckte der XR4i schüchtern hinter eine Säule. Der Charme der 80er Jahre steckt in jedem Detail des Wagens, ohne dabei peinlich zu wirken. Ein kurze Drehung am Zündschlüssel und heiser röchelt der Sechszylinder vor sich hin. Nachgerüstet Fächerkrümmer sorgen für den sportlichen Klang und dass der auch gerechtfertigt ist, wird schon nach wenigen Metern klar. Das Fahrwerk ist angenehm straff, die fünf Gänge lassen sich sauber sortieren und das RS Lenkrad liegt fantastisch in der Hand. Natürlich haben die Jungs bei Ford Classic den Sierra in Topzustand gebracht, die meisten frei verfügbaren Modelle wurden nämlich bereits in den 90ern zu Tode geritten.

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Auf Schloss Dyck präsentierte Ford sich in voller historischer Breite. Mit mehreren Fahrzeugen, vom Modell A bis zum Sierra Cosworth, bildeten die Kölner einen angenehmen Kontrast zu den überwiegend vornehmen Hochpreisklassikern. Die Classic Days Schloss Dyck sind so etwas wie die deutsche Version des Goodwood Festival of Speed, durchaus einen Besuch wert, wenn man auf Burnouts, Igluzelte neben gerade noch über den TÜV geschweissten Opel Kadetts, semialkoholisierte Rockbands und stiernackige Ordner verzichten kann.

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Neben mehr oder minder langweiligen Dauerbrennern von Porsche und Mercedes-Benz, gibt es auch echte Perlen zu sehen. Wie den Vorkriegs-Bentley, der, mit einem Napier Flugzeugmotor ausgestattet, dauerhaft Feuer aus den kurzen Krümmern ballert oder den originalen Capri RS mit 3,4 Litern Hubraum und Jochen Mass am Steuer. Verschiedenste Vor- und Nachkriegsrennwagen und -motorräder beschallten nahezu pausenlos den kleinen Rundkurs im Schlosspark, da braucht man sowieso keine Bühne mit Bands und keinen DJ.

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Auf dem Parkplatz für „Normalsterbliche“ fand sich so ziemlich jedes vorstellbare Altfahrzeug, die meisten davon in hervorragendem Zustand. Neben originalen Ford GT40 (mit H-Kennzeichen), DeTomaso Panteras und Maserati Meraks stand alles vom pinkfarbenen Rolls Royce Estate bis zum Baja Bug auf Fuchsfelgen, vom originalen Renault 5 Alpine Turbo bis zum Buckelvolvo mit Rostlack.

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Schloß Dyck // Classic Days 2012

Auf dem Weg zurück zum Flughafen gab es noch einen kurzen Zwischenstopp bei den Ford Werken und ich konnte einen Blick in die Werkstatt von Ford Classic werfen. Hier stehen die Spielzeuge, die einen sabbern lassen. RS200, DTM Sierra, Capri Turbo, Capri RS, aber auch die Brot und Butter Modelle haben hier ein warmes Plätzchen gefunden. Bei Ford restauriert man übrigens sehr vorsichtig. Ein fertiges Fahrzeug darf durchaus noch ein paar Spuren seines bewegten Lebens haben und stolz zur Schau stellen. Man kann also gespannt bleiben, was man sich in Köln zukünftig um die Vergangenheit kümmert.

Natürlich fuhr ich den Sierra auch wieder zurück zum Flughafen und während ich auf den Flieger wartete habe ich mal den Markt nach Sierras gescannt, in vier Jahren bekommen die Cosworth Modelle ja auch ein H. Für alle Bilder lohnt sich übrigens ein Klick in die Flickr Galerie.