Während die meisten von uns sich auf den lange versprochene Klimawandel gefreut haben und bereits eine beachtliche Anzahl kurzer Hosen horten, der eine oder andere Kollege schon mal wüstentaugliche Filmrepliken mit Steuervergünstigung auf Norddeutschlands Straßen schickt, lässt die aktuelle Wetterlage einen eher darüber nachdenken, ob man nicht doch noch mal eben den Binnenschifffahrtsschein machen sollte. Die Niederschläge sorgen derweil für feuchte Innenräume der geliebten Was-auch-immer-timer, denn im letzten Winter war wieder keine Zeit, um den gammeligen Scheibenrahmen zu schweißen, die Schiebedachabläufe zu säubern und die verdammten Dichtungen in den Griff zu kriegen.

In der Hauptstadt häufen sich derzeit allerdings andere witterungsbedingte Aussetzer in der Welt des Automobils. Während sich die Auto Lobby auch weiterhin gegen ein Tempolimit einsetzt, die Öl Lobby den Kontostand ihrer Kunden fest im Griff hat und immer neue Umweltzonen entstehen, ist es wieder einmal die moderne Technik, die sogenannten Neufahrzeugen zu einem fragwürdigen Ruf verhilft. Denn Neuwagen dürfen scheinbar nicht nass werden.

Die Bleche sind längst mit allen erdenklichen Methoden vor Korrosion geschützt, Gummidichtungen schrumpfen nur noch in kaum merklichem Umfang und obwohl die Lacke wasserbasiert sind, gehen sie nicht ab, wenn es regnet. Aber die Alarmanlagen gehen ab. Und wie. Sobald es mal etwas doller regnet hupen, piepen und tröten die Mittelklasse- und Premium-Modelle der Nachbarschaft, als würden Toecutter, Bubba Zanetti und alle ihre Kumpels gerade versuchen den allerletzten Tropfen Sprit aus den schnittigen Leasingwürfeln zu quetschen.

Da steht man also plötzlich mitten in der Nach im Bett, weil des Nachbarn Midlife-Crisis-Beschleuniger nicht mit dem mitteleuropäischen Sommer umgehen kann und deswegen schreit, als ginge es um die zweite Runde der Abwrack Prämie. Vielleicht sollte auf den Waschzetteln der fahrenden Betriebssysteme mittlerweile drauf stehen, dass man ohne Garage und Reihenendhaus mit diesen technischen Aussetzern leben muss. Die Nachbarschaft dankt jedenfalls.

Wenn es mal ein paar Tage richtig schön heiß war und kein einziger Regentropfen auf das sensible Blechkleid der zart besaiteten Hupzeuge fallen konnte, werden ich den Dodge meiner Frau ganz sanft neben die technischen Wunderwerke rollen lassen. Ein kurzer Gasstoß sollte ausreichen, um die teuren Sicherheitspakete nicht aus der Übung kommen zu lassen. Penner.

Fotos: Moritz Thau