Jetzt, wo alle Konsumenten dank Steve Jobs, der Neuwagenindustrie und den Illuminaten zu iPhone-Facebook-Multimedia-Zombies erzogen wurden, die morgens ohne GPS-Unterstützung ihren Bäcker nicht finden und am Steuer verhungern würden, ist Analog-Käse der einzige non-digitale Konsumartikel, der in unserer hirnzerfressenden Welt weiterhin vorbehaltlos reißenden Absatz findet. Schade eigentlich.

Auch Bücher werden multimedialer. Die Edel AG hat ear Books im Angebot. Bücher, denen als zusätzlicher Kaufanreiz zwei oder vier CDs beiliegen. Immerhin sind sie noch aus Papier.

 

Mini – The Car, The Cult, The Swinging Beats

Nix gegen Blätterbücher, Nietzsche oder Kant liest man nicht nach durchgefahrenen Nächten, aber auch nicht wenn man nüchtern oder betrunken ist. Aber das Ding hier ist schlimmer als Frontantrieb. Der quadratische, in Zusammenarbeit mit der Mini Scene International entstandene 120-Seiter soll wohl irgendwie Lebensgefühl für Agentur-Pappnasen transportieren, die viel zu enge Jeans-Hosen tragen und irgendwas von wegen „Swinging Sixties“ faseln, ehe sie von einem Vierzig-Tonner in ihrer Keksdose übersehen werden. Die Mini-Bilder sind lieblos zusammengestellt, Infos sind dürftig und das Mini One-Kapitel wurde anscheinend aus Verkaufsprospekten zusammengescannt. Wer allen Widrigkeiten zum Trotz auf die britische Krawallbüchse steht, dem sei als Nachtlektüre der Mini Typenkompass von Alexander Franc Storz ans Herz gelegt. Danach hat man auch endlich den Unterschied zwischen Morris und Austin Mini kapiert und nebenbei 30 Euro gespart. Mit 39,95 haut Mini – The Car, The Cult… nämlich gut ins Sprit-Budget, über die Mucke auf den vier beiliegenden CDs sprechen wir besser erst gar nicht.

 

VW Bus – Road to Freedom

Freiheit, am Strand parken, Surfen, bla, Kalifornien, blub. Noch schlimmer als das Mini-Buch. Nur für T2-Fahrer geeignet, die merken eh nichts mehr.

 

Born to be Wild – Harleys, Bikers & Music for Easy Riders

Na das ja mal Gay. Breitbeinig sitzt ein lockiger Schönling aus Idaho oder vielleicht einem anderen Kartoffelstaat in Leder und mit Arbeitshandschuhen auf seinem Chromhocker aus Milwaukee und versucht böse zu gucken. Eigentlich wäre unsere kleine Buchbesprechung bereits an der Cover-Gestaltung gescheitert, aber dann ist das Buch hingefallen („Ich bin hingefallen!“ Helge S., Mülheim) und ich habe reingeschaut. Leute, das Buch ist gut. Leder-Chaps, Airbrush, pickelige Stripperinnen-Ärsche in Nahaufnahme… Die Schwarte bietet alles, was die Cover-Gestaltung verspricht und was man immer schon über abgehalfterte Rocker-Opas aus USA wissen wollte. Mein Lieblingsfoto ist das mit dem Apachen auf der Indian. Die vier CDs beinhalten grundsoliden Klischee-Rock, der nicht die Rede wert ist. Born to be Wild, ein Kauftipp.

 

DER TESTSIEGER!

St. Pauli – Vom Pfosten bis zur Ritze

Der Kiez ist auch nicht mehr das, was er noch 1972 in Rocker war: Torwart-Psycho Klaus Thomforde praktiziert auch nicht mehr und wer als gymnasialer Sportlehrer ernst genommen werden will, kommt ums Tragen eines Totenkopf-Trikots im Unterricht auch nicht mehr herum. Genug auch nicht mehrs. Trotz aller Stereotypen, die wie Schuh-Wichse an diesem erfolglosen Hamburger Stadtteil-Verein kleben, ist Vom Pfosten bis zur Ritze ein super Fussball-Buch fast ohne Autos. Der frustrierte, mittellose Erfinder des Totenkopf-Logos kommt zu Wort, der goldene Handschuh, die Stamm- und Kontaktkneipe der Fireball-Legende Carsten Krawally wird genauestens beleuchtet und das ganze wurde grafisch hochwertig abgeschmeckt, mit grobkörnigen Strichfotos und sonstigem Allerlei aus den Siebzigern. Auch wer noch nie in seinem Leben einen Freistoß direkt verwandelt hat, sollte sich mit diesem Buch eindecken, denn die beiliegende, in Hamburg aufgenommene Turbonegro Live-CD hat das Zeug zum Dauerläufer im DIN-Schacht. Fußball- und Hamburg-Freunden macht darüber hinaus ausnahmslos jede Seite Spaß und wer das Buch für gut angelegte 39,95 gekauft hat, kann uns bitte die absurde VW Käfer Bildergeschichte auf Seite 105 erklären. Danke!

„Wir wollen zwar jedes Spiel gewinnen, können es aber nicht.“ (Dietmar Demuth, Ex-Trainer)