Die Neunziger. Die Mauer war weg, der Kalte Krieg vorbei, der Ostblock Geschichte. Love, Peace and Unity. Die ganze Welt konnte nun endlich Coca Cola trinken und am geistlosen Konsum teilhaben.

Die Jugend hatte die Schnauze voll von den dystopischen Achtzigern, dunkel gekleideten Dave Gahans und dem No Future-Geseier der Bahnhof-Punks. Gelb mit hellgrün dominierte in den Auslagen neu errichteter Modefachgeschäfte in Gera und Bautzen, in den Diskotheken zappelte man beschwingt auf Ecstasy zu Eurodance-Mucke und Gothics und anderes trauriges Gezumpel wurden bei aller Fröhlichkeit bereits am Eingang von der Security abgefangen.

Auch Tuning ist in der Retrospektive nichts anderes als ein Spiegel der jeweiligen Zeit. Hätte man Yellow Dream in den Achtzigern noch für einen Piss-Porno aus dem Hause Videorama gehalten, so war in den Neunzigern jedem noch so untalentierten Berufsschüler ohne tiefergehende Englischkenntnisse klar, dass es sich bei etwas mit einer Farbbezeichnung im Vornamen nur um ein krasses automobiles Projekt mit über 100 PS und verchromter Ölwanne handeln kann. Blue Thunder, Black Hawk, Yellow Dream. Sie alle parkten in dieser Zeit des Umbuchs an jedem Wochenende auf großzügig angelegten Parkplätzen neu errichteter Möbelhäuser oder Divi-Supermärkten an Ausfallstraßen und kleckerten Schwitzöl auf Spiegelfliesen.

Was heute für dreistelliges Euro-Geld auf mobile.de rumdümpelt, war einst die Lebensaufgabe eines stolzen Hageners, der bis zur erfolgreichen Wiederanmeldung des 76er Taunus im Jahre 1996 20.000 harte D-Mark in die gelbe Nuss versenkte und sich wahrscheinlich nicht vorstellen konnte, dass er selbst einen Bruchteil der Kohle niemals wiedersehen wird. Schwarzer Flokati auf den Türpappen, elektrisches Faltdach vom Mazda 121, elektrische Universalfensterheber, gecleante Türschlösser mit Funkfernbedienung (1996 der Knüller!), für den Sound 1000 Watt Bass Maschine im Kofferraum und Stoffler-Endtopf unterm Heckblech, damit der 2 Liter Vierzylinder auch ein bisschen Musik machen kann.

Gerade einmal drei Saisons und ein Ford Vestival in Hagen später, war Schluss mit den gelben Träumen. Aus nicht näher übermittelten Gründen wurde Yellow Dream bereits 1999 wieder abgemeldet und in ständig wechselnden Garagen dem langsamen Zerfall preisgegeben. Wahrscheinlich ahnte sein Besitzer, dass das neue Jahrtausend für derartige zwanglose Glückseligkeit nicht mehr zu haben sei, und spätestens am 11. September 2001 sollte er damit recht gehabt haben.

Die heutige Autoszene steht unter dem Einfluss der Mattschwarz-Muschis. Geleaste Endzeit-Schleudern mit 240 Common-Rail-Pferdchen, die xenon-befeuert die linke Spur umpflügen als gäbe es keinen Morgen. Foliert natürlich, wegen dem Wiederverkauf. Man möchte zumindest einen Teil seiner 20.000 beim Verkauf wiedersehen.

 

Der Stoffler.

 

Träume unter Klarlack.

 

Netzhautkrebs war in den Industrienationen der Neunzigerjahre die zweithäufigste Todesursache.

 

Urananreicherungsanlage bei Teheran. Quelle: google maps

 

Uschi, alles für die Einbauküche.

 

Hot Graphics close to Tiefbett. Posse!