Die Amis haben Frank Bullit, wir haben Dirk Matthies. Nicht ganz so wortkarg, dafür aber untermotorisiert, sorgt der ach so sympathische Bulle von nebenan seit gefühlten Jahrhunderten für Ordnung auffem Kiez und hat dabei schon unzählige Kolleginnen verschlissen. Weil Hamburg nicht San Francisco ist, ernten die Bösen im Norden Deutschlands keine Abflüge in Autobahntankstellen, sondern Verständnis und warme Worte. Kann ja jedem mal passieren, so ein Banküberfall.

Die Dauerwerbesendung zur deutschen Polizeiarbeit erfreut sich ungebrochener Beliebtheit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, nicht zuletzt, weil Charaktere und Story genauso komplex aufgebaut sind wie bei Benjamin Blümchen oder Bernard & Bianca.

Dafür ist der Titeltrack seit je von Truck Stop und sogar Mofa-Rebell Rocko Schamoni spielte mal eine Gastrolle Anfang dieses Jahrtausends.

Und jetzt widmet sich sogar die Literatur diesem heiklen Thema! Großstadtrevier – Auf Streife in Hamburg liefert auf 175 Seiten im Hardcover knallharte Fakten und alle Zahlen für Hardcore-Fans in Trekkingsandalen, die auch weiterhin an den Freund & Helfer-Mythos glauben wollen.

Nach einer kurzen Einleitung und häppchenweise aufbereiteten Infos über den Großstadtrevier-Erfinder Jürgen Roland und ehemaligen bzw. vielleicht auch schon toten Darstellern, entpuppt sich das Büchlein als Hamburg-Reiseführer für den Serien-Fan. Chronologisch und akribisch werden die touristisch wichtigsten Drehorte Hamburgs unter Angabe der Folge und garniert mit Dialog-Auszügen aufbereitet. Autor Ulfert Becker scheint seinen Sinn im Leben gefunden zu haben.

Fazit: wer an nette Bullen glaubt, Großstadtrevier-Fan ist, alles dafür geben würde, mal mit Jan Fedder einen zu heben und insgeheim ein kleiner Spießer ist, der die Gearhead-Aufkleber an seinem Ascona B mit dem Zollstock ausgerichtet hat, der sollte hier für 17,95 Euro zugreifen. Das Fanbuch eignet sich auch hervorragend als Gastgeschenk zur Eigenheimeinweihung des ehemaligen Schülersprechers. Abfahrt.