Gratis-Magazine, Tageszeitungen oder Kulturformate auf arte oder 3sat kamen in ihrer Berichterstattung noch nie drum herum, Klaus Kinski etwas hilflos als Enfant Terrible zu bezeichnen. So, als sei er etwas liebenswürdig crazy und habe seinerzeit frischen Wind in die deutsche Kulturlandschaft gebracht. Vergleichbar mit einem Äffchen auf einem Dreirad, dass mit Kastagnetten an den Fußgelenken Kreise um den Esstisch dreht. Bullshit. Kinski war ein egomaner Soziopath und nichtmals ein besonders guter Schauspieler. Dafür waren seine Filme zu langweilig. Vertreter der Kunstszene behaupten, er habe seinen Rollen eine besondere Tiefe gegeben, Menschen mit klarem Verstand sind ziemlich schnell von seiner Art in die Kamera zu starren genervt. Trotzdem war er großartig. In Talkshows und Interviews oder auf Theaterbühnen, wenn er dem Publikum mit einer Peitsche in die Fresse hauen wollte, weil es seine Darbietung von Jesus Christus nicht so toll fand wie er, oder am Set, wenn er bei einem seiner legendären Wutausbrüche zum Beispiel einem Komparsen mit einem Schwert fast den Schädel spaltete.
Klaus Kinski hat mit Drivestyle eigentlich gar nix zu tun. Aber ein Mattschwarz, das so matt ist, dass es seine kompromisslose Art der Rebellion, sich von nichts und niemandem (außer von Frauen) in Ketten legen zu lassen, wiedergibt, muss erst noch angerührt werden. Er war ein Kotzbrocken, ein selbstzerstörerischer Wahnsinniger. Sperriger als ein Full-Size Chrysler, ätzender als Batteriesäure. Eigentlich hat Klaus Kinski zusammen mit Gunter Gabriel den Punkrock erfunden. Weit vor 1977.
Kinski – Vermächtnis ist eine 400-Seiten-Schwarte von 3 Kilo Gesamtgewicht. Keine Biographie. Eher eine Sammlung von Briefen, Fotos und anderem privaten Gedöns aus dem Leben des 1991 gestorbenen Wirrkopfs, die letztlich auch nicht hilft, diesen genialen Mann zu verstehen.
“Was heißt hier Schwierigkeiten zu vermeiden! Was haben sie denn davon, mir Schwierigkeiten zu machen!!!!!!!!!!!!!! Wenn ich das Geld doch 14 Tage später bezahle!! Naziland! Mörderland!!!!!!!! Deutsche Kloakenschweine!”
Der zahlungsunfähige Kinski an seine Liebste, 1957
Kinski – Vermächtnis ist im Edel Verlag erschienen und empfiehlt sich mit einem Kaufpreis von knapp 50 Euro in erster Linie für Fans des gepflegten Wahnsinns. Wer sich erstmal informieren möchte, wer dieser alte Mann war, der immer rumgebrüllt hat, dem sei eher die DVD Mein liebster Feind empfohlen.
Wer bis hierhin zu kulturlos war, um zu verstehen: Klaus Kinski fuhr in den Fünfzigern Cadillac. Kauft dieses Buch!














4 Kommentare
Frau Gas schrieb
31. Okt. 11
Lieber Norman, vielen Dank für Deinen Artikel über Kinski. Ich teile Deine Einschätzung weitestgehend, aber ich muss der Aussage widersprechen, Kinski sei kein guter Schauspieler gewesen. Er war ein brillanter Darsteller. Die Filme von denen Du sprichst, hielt er selbst für übelsten Schund und hat sie ausschließlich wegen der Kohle gemacht. Sein Genie zeigt sich vor allem in seinen Sprachaufnahmen, welche lange vor dem “Erlöser” und seinen Filmen aufgenommen wurden. Bei Interesse schicke ich Dir gern was davon zu. Cheers!
Katharina schrieb
31. Okt. 11
Liebe Frau Gas, vielen Dank für Deinen Kommentar zu Normans Artikel über Kinski. Kinski war vornehmlich ein brillanter Selbstdarsteller und seine Bewertung der Filme, die in Zusammenarbeit mit Werner Herzog entstanden sind, schlägt exakt in diese Kerbe. Die Antwort auf die Frage, ob es sich bei ihm nun um eine Genie oder ein durchgeknalltes Arschloch handelt, variiert je nach Erziehung und geistigen Fähigkeiten des Betrachters. Oder sie stellt sich nicht, da das hier gar kein Feuilleton ist, sondern Mofaraver. Cheers!
Norman schrieb
02. Nov. 11
Jo, schick ma rüber. Danke!
Basti schrieb
09. Nov. 11
Ohne Klaus Kinski wäre die Welt sicher langweiliger :-)
Klar war er durchgeknallt aber durchaus mit Daseinsberechtigung. Auch wenn vielleicht manche unter ihm gelitten haben (seine Tochter etwa, was natürlich schade ist).