Vor ein paar Monaten klingelt das Telefon und ein leicht aufgeregter und gleichsam wirrer Mann erzählt uns etwas von einem Rennen. Es ginge um Alkohol und Autos und wäre ganz sicher genau das richtige für uns. Nach 14 Sekunden Bedenkzeit folgt ein Anruf bei einem der Veranstalter und wir erfuhren nähere Details. Danach ist irgendwie gar nichts mehr klar. Husaren im wilden Vechtistan? Was soll das denn sein? Und diese Sache mit den Bären war auch ziemlich schräg. Der Alkohol und die Autos waren aber letztendlich ein schlagendes Argument …

Die Waffe unserer Wahl war ein 1978er Porsche 924. Irgendwann prügelte ein ambitionierter Bastler dieses Wunderwerk schwäbischer Ingenieurskunst auf die Optik eines 944ers. Die Kiste war startklar und in den Felgenbetten der Hinterräder konnte man notfalls auch schlafen.

Dass wir am Ende des Wochenendes einen abgerissenen Haubendämpfer, einen zerstörten Schaltknauf, nennenswerten Ölverlust und ein komplett demoliertes Traggelenk verzeichneten, lässt sich als Sammlung von Kampfspuren zusammenfassen.

Die Anreise nach Hamburg war nicht nur herrlich entspannt, sondern auch verdammt unspektakulär. Das Warm-Up der Teilnehmer fand im Tasting Room des Le Lion in Hamburg statt. Es ging um’s Hände schütteln, Schultern klopfen und um jede Menge Drinks. Wir bekamen die vermutlich großartigste Privatunterkunft in ganz Hamburg angeboten, an dieser Stelle ein weiteres unserer vermutlich unzähligen Dankeschöns an Marco! Der morgendliche Blick aus dem Fenster ließ uns auf eine ruhige Ausfahrt hoffen.

Punkt 9 rollten wir auf den Startplatz in der Hamburger Hafen-City. Erneutes Hände schütteln und Schultern klopfen. Roadbooks wurden verteilt und Startnummern wurden angeklebt, während Lunchpakete hinter Sitzen verstaut wurden. Weit und breit waren weder der versprochene Alkohol, noch irgendein Bär zu sehen. Wenigstens chefmässige Karren standen rum. Dann rollte ein 1957er Opel Rekord auf den Platz, Schweigen legte sich über den gesamt Platz. Der Bär erschien.

So langsam bekamen wir ein Bild dessen, was uns erwarten würde. Während zwei Jungs in Armeeklamotten ihren Kübel rückwärts schoben, weil das Getriebe nicht so richtig wollte und der Typ im Bärenkostüm ein Interview vor laufender Kamera gab, bereitete sich eine Reisegruppe auf ihre entspannte Ausfahrt in einer Stretchlimo vor, indem Prosecco die Runde machte.

Nach kurzer Erklärung der Regeln – eigentlich würde es keine geben – und Gerangel um die Tickets für die Ausfahrt vom Parkplatz, brüllten, beziehungsweise säuselten, die dreißig anwesenden Motoren, so wie es jedem Einzelnen halt möglich war. Klanglicher Höhepunkt war die Cobra, die als Startnummer so eine komische 427 cui an der Seite stehen hatte – was auch immer das bedeuten sollte. Zwanzig Prozent der Starter fuhren Porsche, hier waren wir also defintiv richtig. Dazwischen kämpften jede Menge andere amerikanische und europäische Randgruppenfahrzeug um Beachtung. Ein großartiger Start für einen Samstag.

In größeren Pulks ging es durch den Hamburger Hafen, über die Köhlbrandbrücke, raus auf die staatlichen Rennpisten von Niedersachsen. Den Rest des Tages würden wir in ständiger Begleitung von Mike und Sebastian, beide im 1985er Porsche 911, über die Landstraßen brettern.

Die Aufgaben des Tages waren so wirr, wie wir es nach dem Auftritt des Bären erwartet hatten. Ein Husarenbart sollte dort gestutz werden, wo ein Eisbär lebt, während irgendwer tot über einen Zaun hing und hinterher banden wir auch noch irgendwen auf einen Bären. Oder irgendwie so war das alles gedacht.

Erster Checkpoint – World of Paintball. Irgendwer schiesst immer auf den Mann im Fellkleid und der ballert eifrig zurück. Die mitgereisten Pazifisten wurden im Kofferraum der Limo verstaut und mit Alkohol ruhig gestellt. Die „don’t drink and drive“ Nummer liess uns aber dennoch auf dem Trockenen sitzen. Zurück auf die Straße, wir hatten Durst!

Während wir die Fahreigenschaften des 924ers in Extremsituationen testeten, um das Rennen nicht in der Beifahrerseite eines unbedacht aggierenden BMWs zu beenden, näherten wir uns dem nächsten Checkpoint. Ähnlich dem Robbenschlachten prügelten wir mit Golfschlägern auf Braunbären, die der Größe nach gerade mal ein paar Wochen alt waren. Kurzer Anruf beim WWF, um die Konkurrenz auszuschalten und weiter.

Die bereits gut betankte Besatzung der Stretch-Limo stylte auf einem Parkplatz ab und verteilte Wertungspunkte für beliebig albernen Körpereinsatz. Knapp 500 Meter weiter wartete dann die spannendere Aufgabe. Der Club 57 fand keine Erwähnung im Roadbook, versprach aber 10 Sonderpunkte. Als Porschefahrer macht man vor einem Puff immer eine gute Figur, also Vollbremsung, Rückwärtsgang und klingeln. Legendenbildung konnte übrigens an diesem Abend live erlebt werden – den Erzählungen nach, hatten die Damen des Hauses den Umsatz ihres Lebens.

Der letzte Checkpoint war eigentlich das Ziel. Ohne großes Empfangskomitee schälten sich die geschundenen Körper aus ihren Karren. In Hannover wird nicht sonderlich viel für die Pflege der Rennpisten eingeplant. Die letzte Aufgabe wurde spontan im Ablauf korrigiert. Der Bär saß irgendwo in einer Pizzeria und versorgte sich lieber mit ein paar Gläsern Rotwein, als auf der gemieteten Kartbahn seine Runden zu drehen. Guter Mann, schließlich bekam er auch kein Kilometergeld. Die obligatorische Siegerehrung wurde durch die perfekte Versorgung mit geschätzten 26 verschiedenen Schnitzelvariationen und dem ersten Pils des Tages untermalt. Eine richtig großartige Veranstaltung, diese Flashman Rallye 2011.

Wenn also irgendwer mal irgendwas von einem Rennen erzählt, bei dem man mit Bären, Gurken, Piraten oder anderen seltsamen Dingen konfrontiert würde, dann sollte man einfach zusagen. Wir sind im nächsten Jahr jedenfalls wieder am Start.

Hier gibt’s noch viel mehr Bilder der Flashman Rallye 2011.