Guten Morgen, seid ihr bereit? Denn hier kommt die Endzeit, mit Schrecken und Finsternis, und keiner kann sich ihr entziehen.und alle haben mitgebaut am Schafott aus Schrott, dass jedem das Genick brechen wird. MACHT PLATZ FÜR MUTONIA…

Mutonia R22 Traktor

Wer ist dieser Typ, der mit einem kompressorgetriebenen und feuerspukenden R22 Traktor über diverse Veranstaltungsgelände faucht? Motoraver wollte es genau wissen und recherchierte im Untergrund. Die Reifenspur führte uns direkt nach Mutonia, einer Endzeit Enklave an einem geheimen Ort.

Dort residiert TNT TOM. Der Skulpturenbauer, Stuntman und staatlich anerkannter Pyrotechniker ist Mitglied der 1985 in England gegründeten Mutoid Waste Company. Deren Ziel war und ist es, dem Wohlstandsmüll unserer Wegwerfgesellschaft ein neues Gesicht zu geben und Schrott in Kunst zu verwandeln. Auf ihren spektakulären Shows wie dem holländischen Robodock Festival, bereiten feuerspuckende Stahl-Vehikel, Schrott-Droiden und verkleidete Mutoids den Zuschauern Gänsehaut und Vergnügen. Für Mutonia, die Insel der Schrottdruiden, haben sich internationale Künstler aus den verschiedensten Bereichen zusammengefunden. Mitbegründer Tom gilt als Esoteriker der Truppe und hat sich auf die Installation von Kultstätten aus Fahrzeugen spezialisiert. Spektakulär war das aus Panzern nachgebildete Stonehenge oder die MIGs vor dem Reichstag. Die Kampfflugzeuge klaute er vom Russenschrottplatz und steckte sie illegal vor dem Berliner Reichstag in den Boden.

Als Mutonier ist er ebenso berühmt-berüchtigt für seine brachiale Art, die absonderlichsten Fahrzeuge zu steuern und alle möglichen Dinge mittels telekinetischen Kräften in die Luft zu jagen. Weiterhin konstruierte Tom für Mad Max 2 mehrere Dune Buggies. Sein bekanntestes Werk aber ist der feuerspuckende R22 Traktor von 1952, dessen 2,7 Liter Diesel-Aggregat von einem Hanomag AL Kompressor aufgeladen wird und das Vehikel auf 45 km/h beschleunigt. Überflüssiger Treibstoff wird über eine mechanisch gesteuerte Flammenkanone in den Himmel entsorgt.

In der Enklave lebt weiterhin Mutant Heny. Der ungarische Schrottkünstler schweisst in Mutonia die Maschinen zusammen, verlor dabei allerdings Teile seines Gesichtes. Zur Crew gehören weiterhin die Feuerperformerin CHICA XT, die an verschiedenen Kunstprojekten in Deutschland, Spanien und der Schweiz mitgewirkt hat. Ständig auf der Suche nach einer Flüssigkeit, die es ihr ermöglicht zu fliegen, steckt sie ständig ihre Nase in alte Tanks und Ölfässer, bislang allerdings noch ohne Erfolg. Bedingt durch versehentliches Verschlucken einer radioaktiven Spinne ist sie in der Lage, ihre Beinknochen teleskopartig zu verschieben, d.h. sie erreicht bisweilen eine Körpergröße von 2,60m. Für das Steuern von kreischenden Monstertrucks ist ELMEX TANK zuständig. Leider hat er einen genetischen Defekt, der ihn immer wieder in Trancezustände versetzt, aus denen er nur durch eine ozonreflektierende Kopflampe zu wecken ist.

Viele weitere Aktionskünstler gehören zum weltweiten Netztwerk der Mutanten. Wir interessieren uns aber natürlich hauptsächlich für die futuristischen Fahrzeuge der Company. Bei einer Führung durch die Produktionsstätte der Schrottkünstler zeigt uns Tom die einzelnen Maschinen. Neben einer originalen russischen MIG und einem Kampfpanzer steht Das Pferd.

Das frontgetriebene Maschinenwesen besteht aus zwei Citroen 2CV Fahrgestellen, wird über eine Knicklenkung gesteuert und von einem Zweizylinder Entenmotor angetrieben.

Besonderheit ist die Fernsteuerung, die von Elektro-Schalt-Genie Stefan Duve konstruiert wurde und mit der sich das Vehikel von einer hinterhergezogenen Bodenplatte aus steuern lässt. Das Pferd gilt somit lange vor Star Wars als erster Pod-Racer. Nicht weniger futuristisch und innovativ ist der One Wheeler.

Ein riesiges Einrad mit luftgekühltem 5-Zylinder Allison Sternmotor. Stabilisiert wird des Gefährt durch ein gyroskopisches Rad aus dem U-Boot-Torpedo-Zubehör. Gesteuert mit einem 48er Indian Lenker dient der One Wheeler der Verfolgung von schnellen Veloceraptoren in unwegsamen Gelände und erreicht Geschwindigkeiten von über 60 km/h. Der Dinosaurier ist nach originalen Anatomiebauplänen der vorsintflutlichen Säugetiere aus Stahl und Hydraulikleitungen konzipiert.

Normalerweise steht er als Torwächter vor Mutonia, da er durch photokinetische Sensoren sofort Alarm schlagen und selbstständig auf Angriffsmodus schalten kann. Gelegentlich begeistern er und seine Klonsaurier auch bei den diversen Mutonia Festivals die Besucher.

Um das komplete Universum der Mutoids und ihres Auftrages zu verstehen, genügt eigentlich ein Blick auf die Menschheit in der Gegenwart. Mutonia formuliert es so: „Wir leben in einem Zeitalter der Zerstreuungsindustrie, in einer Zeit kurzlebiger Sensationen, die mit sagenhafter Euphorie gefeiert werden, nur um sie kurze Zeit später wieder verachtend abzuschütteln, um weiter zu hasten, zum Neuen, zum Besseren – so sollte man meinen. Doch ändern sich die Dinge? Was bleibt, ist unzufriedene Leere im Inneren, deren vorrübergehendes Auffüllen mit heute faszinierenden Pseudogöttern und das morgige Degradieren zu Abfall. Welcher – aus eurem begrenzten Blickfeld gerückt – übrig bleibt, keinen mehr interessiert, aber schleichend alles und jeden vergiftet. Eure Kaputtheit macht Euch krank. Ihr würdet in Eurem Müll zugrunde gehen. Wir aber sind stark genug, mit ihm zu leben, was immer auch noch kommen mag“

Original-Artikel aus Motoraver Magazin No.30 (01/2009)

Wer sich schon mal auf die Endzeit vorbereiten will:
www.mutonia.de

www.mutoidwastecompany.co.uk

www.action-shows.de

www.robodock.org