„Einmal um Block heißt einmal um Block und nicht mit 100 über die Autobahn!“ Detlev „Delle“ Quandt hatte seine Prinzipien. Im wahren Leben wie auch als Hauptprotagonist in „Die Abfahrer“ (1978) und „Jede Menge Kohle“ (1981). In beiden Streifen des Filmemachers Adolf Winkelmann spielte Quandt das, was er am besten konnte, sich selbst …

Von der sporadischen Schauspielerei allein konnte der Laiendarsteller selbst im allmählich zerfallenden Ruhrgebiet der späten Siebziger- bzw. frühen Achtzigerjahre nicht leben. Hauptberuflich betrieb der unangepasste Gesellschaftsverweigerer Dortmunds ersten Bio-Laden, das Grasblatt. Da es mit der bewussten Ernährung im Ruhrpott zu jener Zeit genauso weit war wie mit Umweltbewusstsein und Luftqualität, fuhr Detlev Quandt noch nebenbei LKW für die Hoesch AG. Sein Führerschein der Klasse 2 brachte ihn letztlich auch zum Film. Da Winkelmann für die Besetzung von „Die Abfahrer“ einen charakteristischen Hauptdarsteller brauchte, dem man den Aussteiger glaubhaft abnahm und der einen Henschel F141 fahren konnte, sprach er Delle Quandt eines Tages in seinem Bio-Laden an und dieser willigte ein, als Atze zusammen mit Lutz und Sulli einen vollbeladenen Möbellaster zu klauen.

Während der Dreharbeiten entwickelte sich zwischen Winkelmann und Quandt eine Freundschaft, so dass man drei Jahre später wieder zusammen arbeitete. In „Jede Menge Kohle“ stand Quandt als Katlewski vor der Kamera. Ein Bergmann aus Recklinghausen, der unter Tage vor seinem alten Leben und einem Kredit über 9.150 D-Mark wegläuft, eine Woche später in einem Flöz unter Dortmund wieder auftaucht, von dort aus einen Neuanfang startet um „nix mehr am Hals zu haben“, deshalb seine Möbel zersägt und mal wieder einen Lastwagen (diesmal einen Volvo F10) klaut.

Am letzten Drehtag des Aussteiger-Films fuhr Detlev Quandt in einem vollgepackten Toyota Land Cruiser am Set vor und wanderte, nachdem die letzte Klappe gefallen war, mit seiner Lebensgefährtin, einer Ärztin, auf die Kanarischen Inseln aus. „Nachdem er abgehauen war, war er weg“ (Adolf Winkelmann). Quandts Spur verlor sich daraufhin, von ein paar wenigen Postkarten aus seiner neuen Heimat einmal abgesehen. Man wusste nur, dass er auf einer der Atlantikinseln ein Café eröffnet hatte. Von seiner neuen Freiheit hatte der Auswanderer allerdings nicht all zu lange was. 1991 verstarb der Mann mit den tief liegenden Augen, die Beleuchter und Kameramänner immer in den Wahnsinn trieben, mit Mitte Vierzig unter nicht näher bekannten Umständen.

Laut Adolf Winkelmann kann man der Glaubwürdigkeit halber mit Laiendarstellern nur drehen, wenn diese sich selber spielen. Einen glaubwürdigeren Schauspieler als Delle Quandt hat es danach nie wieder gegeben.

„Samma, könnta ma eure Säge leihen?“
„Hö? Na, du bist gut.“
„Ne, im Ernst, ich brauch‘ die wirklich.“
„Was willste denn damit?“
„Ich brauch‘ die für meine Möbel.“
„Was denn? Willste die kaputt sägen?“
„Genau.“