Tokio. 34 Millionen Einwohner-Megalopolis. Perfekt, sauber, modern. 300km/h-U-Bahnen schiessen ohne Verspätungen durch den japanischen Mutterboden, hybrid-getriebener Individualverkehr, der sich dank hochintelligenter Cyborg-Ampeln niemals staut und Menschen, die perfekt funktionieren und immer lächeln. Musterstadt der Moderne, Realexistierender Vorgeschmack auf eine sterile Zukunft, in der Snake Plissken und der Demolition Man nicht gebraucht werden. Bullshit. Tokio ist fürchterlich und kulturell rückständiger als alle Mormonen-Siedlungen in Wyoming und Idaho zusammen.

Wir wissen es, wir waren anlässlich der Tokio Motorshow 2009 vor Ort. Warum, dass weiss im Nachhinein niemand. Schade, dass wir nicht in Russland notlanden mussten. Wir hätten uns im Permafrost der Taiga mehr amüsiert. Dass hier in Wirklichkeit niemand nachts mit einem Roboterhund Gassi geht und der Strassenverkehr von seit annähernd dreissig jahren unverändert gebauten starrachsigen Taxen namens Toyota Crown Comfort und Nissan Cedric beherrscht wird, ist das Positivste was diese Mist-Stadt zu bieten hat und damit hat die Metropole des fernöstlichsten Land der Welt sein Pulver auch schon verschossen. Das Essen, die Kultur, die Tokio Motor Show, alles Dinge, die sich einem normalen Europäer nie im Leben erschliessen werden. Doch das schlimmste an Japan sind die Japaner. Aber das ist nicht schlimm. Japaner mögen einen auch nicht. Sagen sie aber nicht, stattdessen lächeln sie. Konfrontationen gilt es im Land der aufgehenden Sonne zu vermeiden. Komisch, wo die Jungs doch Kendo und Ninjas erfunden haben.

Aus demselben Grund wird man übrigens auch niemals ein klares „Nein“ hören. Alkkreditierten Journalisten wurde am Pressetag der Tokio Motorshow angeboten, die neuesten Quarkbecher aus japanischer Produktion probefahren zu können. Aber selbst im Kleingedruckten der Pressemappe stand nicht, dass es sich bei diesem Exklusivangebot um Probefahrten für Japaner only handelte. Dies dämmerte uns aber auch erst, nachdem uns die Testdrive-Hostess von Mazda zum Subaru-Stand schickte, man uns dort an die Kollegen von Mitsubishi verwies, dessen Standpersonal sich vor uns versteckte und wir irgendwann von alleine den offiziellen Testdrive Counter der Messe fanden, der ausschliesslich in japanisch als solcher ausgewiesen war. Kurz vorm Ziel und eine halbe Stunde nachdem uns die Mazda-Tussi mit dem derangierten Gesicht auf diese Odyssee geschickt hatte (sich liess sich übrigens später von ihrem Kollegen verleugnen, aber ich habe sie genau gesehen, wie sie hinter einem Mazda 3 kauerte!), stellte uns eine ganz kleine Japanerin in gelb in bester Endboss-Manier ein Bein. Verlegen, beschämt aber auch bestimmt wurde erst hier das schlitzäugige Karnickel aus dem Strohhut gezaubert und uns mit gespielter Überraschung in brüchigem Englisch (diese Sprache spricht hier kaum jemand) erklärt, dass selbstverständlich nur Japaner in Japan Autos probefahren dürfen, dies doch aber eigentlich klar sein dürfe. Tja, und deshalb gibt es diesen Artikel über die Tokio Motorshow mit zweimonatiger Verspätung und ohne fundierten Auto-Inhalt.

Aber Fotos durften wir machen. Immerhin. Wahrscheinlich aber auch nur, weil wir eine japanische Canon-Kamera dabei hatten. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle das Foto etwas weiter oben, das ein Verbotsschild in einem Tokioter Sportartikelgeschäft zeigt, welches Fotokameras und aber auch Löwen oder Reiter in Mountie-Uniformen kategorisch verbietet. Hier gibt’s dann noch mehr Fotos …