Ende der Neunziger, Anfang des neuen Jahrtausends, ging Ralf Richter nach den Dreharbeiten zu Bang Boom Bang tatsächlich für acht Monate in den Bau, die Kleine Buderusstrasse in Unna-Massen wurde zur wichtigsten Filmstrasse der Welt und der Knudsen Taunus avancierte vom Wegwerfprodukt zur Autoikone einer dauerbekifften Generation.

Gleich fünf Exemplare der Mittelklasselimousine liess Regisseur Peter Thorwarth für das Ruhrpott-Epos beschaffen, wobei letzten Endes nur vier Fords es in hellgrün umlackiert vor die Kameras schafften. Dem schlechtesten Taunus schnitt man für Onboard-Aufnahmen im Studio das Dach ab, die anderen drei wurden für Aussenaufnahmen in Unna und Dortmund mit [DO-PE 69]-Kennzeichen versehen und vom damals noch führerscheinlosen Oliver Korittke mit schleifender Kupplung übers Set gequält.

Die Spur des gar nicht erst für den Film verwendeten Taunus ging im Laufe des letzten Jahrzehnts verloren, der dachlose Knud landete nach den Dreharbeiten in Unna-Koenigsborn auf dem Schrott, ein Exemplar befindet sich heute im Besitz des Filmproduzenten Christian Becker und ein weiterer Filmwagen wechselte 2004 über eBay den Besitzer und wird heute, genau wie im Film, in Dortmund als Alltagsfahrzeug runtergerockt. Der bestrestaurierte originale BBB-Taunus macht heute (zumindest bei schönem Wetter) die Strassen der Universitätsstadt Münster unsicher. Seit Oktober 2008 dreht Jan Drosselmeier am Volant des kernsanierten Kölners. Der 25-jährige Hausmeister eines Ingenieurbüros für Verkehrsunfallrekonstruktionen ist sich ganz sicher, dass sein Taunus damals nicht den Tresor auf dem Weg ins Krankenhaus ins Heckblech gejagt bekommen hat. Zu sauber und perfekt ist das Blech des berühmtesten Film-Fords der Geschichte. Der Kofferraumboden ist absolut gerade und der Motorraum entspricht höheren hygienischen Standards als Keeks Einbauküche. Ein unfallfreier Ford, von dem Lieutenant Frank Bullitt nur träumen kann.

Obwohl unfallfrei nicht ganz richtig ist. Kleine Macken im Bereich des Lüftungsgitters und des linken Kotflügels erinnern noch heute an den Gullideckel-schmeissenden Sohnemann von Ralle Richter, Max, der dem Knud die Nase einschlug während Andy trainierte. Restaurierer Gordon liess die Delle in Erinnerung an die autofeindliche Schlüsselszene bewusst im Blech. Apropos Ralf Richters Sohn: An dem Taunus hatte zeitgleich neben Jan auch Herr Grabowski persönlich Interesse. Sohnemann Max sollte erste Fahrpraxis am Steuer der 1975er Rakete mit 72 PS aus 1.6 Litern Hubraum sammeln. Die Vorstellung, dass Max nach einem Kanaldeckel demnächst noch Leitpfosten und Verkehrsschilder auf die Haube nimmt, veranlassten den Verkäufer des Fahrzeugs jedoch dazu, Taunus samt Fahrzeugbrief lieber in die peniblen Hände von Jan zu übergeben. Genauso wenig wie Max Richter würde Jan übrigens Oliver Korritke ans Steuer lassen. Zwar hat Olli seit einiger Zeit den Führerschein und die beiden haben auch ein kurzes Quätschken auf der Bang Boom Bang 10-Jahres-Feier in Bochum letzten August gehalten, aber seinen Ford, den fährt Jan nur höchstpersönlich. Denn Taunus fahren, dass kann nur einer alleine …

Noch mehr Fotos vom Bang Boom Bang Knudsen gibt’s hier.